Schule unter Corona-Maßnahmen

Der Regelunterricht an unseren Schulen hat wieder seine Fahrt aufgenommen – auch wenn dieses Vorhaben nicht überall geglückt ist. Während einige Schulen komplett geschlossen werden mussten, sind in anderen einzelne Gruppen in Quarantäne. Das dynamische Infektionsgeschehen und das Risiko einer Ansteckung in der Schule machen Maßnahmen erforderlich, die insbesondere in der kalten Jahreszeit, in der wie üblich Erkältungen und Grippewelle wüten, den Regelunterricht an Schulen sichern sollen. 

»Alle Beteiligten sind entschlossen, eine erneute flächendeckende Schließung der Schulen nach Möglichkeit zu verhindern.«
Steffen Seibert
Regierungssprecher

Das Infektionsgeschehen an Schulen

Am 12. Oktober veröffentlichte das Robert-Koch-Institut (kurz: RKI) ein 15-seitiges Papier mit Empfehlungen für Schulen. Es behandelt unter anderem die Grundannahmen für Infektionen an Schulen, formuliert vorrangige Ziele der Infektionsprävention an Schulen, schlägt Präventionsmaßnahmen vor und bietet einen Leitfaden für das Vorgehen bei Infektions- oder Verdachtsfällen an der Schule. In dem Papier sind folgende infektionsepidemiologische Grundlagen für Schulen formuliert:

  • Schülerinnen und Schüler sind grundsätzlich empfänglich für eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus und können andere infizieren.
  • Kinder und Jugendliche sind jedoch seltener betroffen und zeigen häufiger keine oder nur eine milde Symptomatik als Erwachsene.
  • Im Erkrankungsfall erkranken Kinder und Jugendliche in der Regel leicht. Schwere Verläufe und Todesfälle im Kindes- und Jugendalter sind selten. 
  • Die anerkannten Infektionsschutzmaßnahmen sind auch bei Kindern und Jugendlichen wirksam.
  • Der Eintrag des Virus‘ in Schulen erfolgt oftmals über Erwachsene. 
  • Hauptübertragungsweg ist die respiratorische Aufnahme virushaltiger Partikel in der Nähe (innerhalb von 1,5 bis 2 Metern) von infizierten Personen bei längerer Exposition (ab ca. 15 Minuten). Das Risiko einer Übertragung über Aerosole über größere Entfernungen in geschlossenen Räumen (z.B. Klassenzimmern) erhöht sich bei besonders starker Partikelemission (z.B. Singen oder Schreien), bei besonders langem Aufenthalt der infizierten Person in einem gegebenen Raum und bei unzureichender Lüftung/Frischluftzufuhr.
Das Bild informiert über die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in der Schule.

Hygienemaßnahmen an der Schule

Hände waschen und desinfizieren, Niesen und Husten in die Ellenbeuge, zu Hause bleiben bei Erkältungssymptomen – was im ersten Moment nach einfachsten Grundregeln klingt (übrigens nicht erst seit Ausbruch der Pandemie), wird nicht nur selten eingehalten, sondern ist in der Praxis auch an Schule kaum durchführbar. Die Hände sollten nach Möglichkeit nach jedem Kontakt mit Gegenständen desinfiziert werden, die auch andere Menschen anfassen. Das sind zum Beispiel Türgriffe. Entsprechend müsste jeder (Klassen-)Raum im Schulgebäude über Waschbecken und Seife sowie einen Spender mit Desinfektionsmittel verfügen, der sich ohne Anfassen betätigen lässt. Eine utopische Vorstellung. Auch das zu Hause bleiben bei Erkältungssymptomen ist zwar grundsätzlich wünschenswert, kann aber den Unterricht erheblich beeinträchtigen. Immerhin sind Erkältungen im Herbst und Winter keine Seltenheit. Lehrkräfte drohen auszufallen, was durch die Idee, möglichst kleine (und somit mehr) Gruppen zu unterrichten, sogar noch schwerer wiegt.

Masken tragen - auch im Unterricht

Das RKI empfiehlt das Tragen von Masken in Bereichen, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann oder wann immer es zur Vermischung zwischen einzelnen Kohorten kommt. Das gilt entsprechend auch im Unterricht. Denn selbst wenn die Schüer*innen in einem fest zugewiesenen Klassenraum verweilen würden – auch in den Pausen – wechseln die Lehrkräfte zwischen den Kohorten. Wie sinnvoll und gut Unterricht und insbesondere eine mündliche Mitarbeit möglich ist, wenn sowohl Lehrkräfte als auch Schüler*innen dauerhaft Mund und Nase bedecken müssen, darf zumindest bezweifelt werden.

Auch ist es für Lehrkräfte eine besondere Herausforderung das Tragen der Masken auch durchzusetzen, wenn es keine einheitlichen Regelungen gibt. Erst zum 1. Oktober 2020 wurde in NRW die Maskenpflicht für Kinder in der Primarstufe innerhalb ihres Klassenverbands im Unterrichtsraum wieder abgeschafft.

Lüften

Regelmäßiges Lüften soll die Anreicherung und Verteilung potentiell infektiöser Aerosole vermeiden. Das Risiko einer Übertragung über größere Entfernungen als die bekannten 1,5 bis 2 Meter erhöht sich in geschlossenen Räumen unter anderem bei unzureichender Lüftung bzw. Frischluftzufuhr. Das trifft also auch auch auf Klassenzimmer zu. Das vorgesehene Lüftungskonzept stößt jedoch auf Kritik, zum Beispiel beim Deutschen Lehrerverband. Viele Klassenräume verfügten schlichtweg nicht über Fenster, die ein angemessenes Stoßlüften überhaupt ermöglichten. Regelmäßiges, ausreichendes Lüften von voll besetzten Räumen sei im Winter bei Minusgraden problematisch.

Auch die Zeiträume und Abstände in denen gelüftet werden soll, schwanken je nach Bundesland. Hier könnten zumindest CO2-Ampeln oder -Messgeräte hilfreich sein. Auch hierfür wären allerdings einheitliche Richtwerte sinnvoll.

Die Coronawarnapp

Die Coronawarnapp soll es ermöglichen, Infektionsketten zu unterbrechen und bei der Nachverfolgung der Kontakte zu helfen. Das RKI empfiehlt deshalb die Installation der Coronawarnapp allen am Schulleben Beteiligten. Oberstes Ziel sei es dabei, außerschulische infektionsrelevante Expositionen zu ermitteln. Denn während in der Schule Abstands- und Kohortenregelungen greifen, halten sich Schülerinnen und Schüler aber auch Lehrkräfte außerhalb des Schulsettings nicht unbedingt an diese Regeln. Mithilfe der Coronawarnapp können Infektionen schneller nachvollzogen werden, sodass Infektionen womöglich schneller eingegrenzt werden können.

Abstand halten - auch im Klassenverband

Die Abstandsregelung verfolgt das Ziel, die besonders hohe Gefahr einer Ansteckung durch infektiöse Tröpfchen zu reduzieren. Diese werden beim Sprechen aber auch beim Atmen emittiert und sinken aufgrund ihres relativ hohen Gewichts schnell ab, sodass Wissenschaftler davon ausgehen, dass der Mindestabstand eine Ansteckung durch diese Tröpfchen eingrenzen kann. Zudem gilt die Abstandsregelung als besonders leicht umsetzbar – nicht jedoch im Klassenzimmer. Hier sind meist alle Tische besetzt und die Größe der Räume lässt eine Entzerrung der Sitzordnung oft nicht zu, sodass der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Das RKI empfiehlt in diesem Fall das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch im Unterricht oder etwa die Teilung der Klassen oder Wechselunterricht. Insbesondere bei einer hohen Inzidenz sei diese Maßnahme unabdingbar. Die Umsetzung dürfte die Schulen jedoch vor Schwierigkeiten stellen, da es für die gleichzeitige Teilung aller Klassen sowohl an Räumlichkeiten als auch an Personal mangeln dürfte.

Oberflächen desinfizieren

In Schulen treffen Gruppen unterschiedlichen Alters aufeinander. Insbesondere Fachräume werden dabei von mehreren Klassen im Wechsel benutzt. Die Gefahr einer Ansteckung durch eine Schmierinfektion ist zwar vergleichsweise gering, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Oberflächen wie Tische und ActiveBoards sollten deshalb nach dem Unterricht desinfiziert werden.

Titelbild: geralt / pixabay.com

Mehlis A. et al. Einsatz von Lüftungsampeln zur Verbesserung der Luftqualität in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Epi Bull 42/2017.

Otte im Kampe E, Lehfeld A , Buda S, Buchholz U , Haas W. Surveillance of COVID-19 school outbreaks, Germany, March to August 2020. Euro Surveill 2020;25(38).

Richter, M: Informationen zum Schulbetrieb in Corona-Zeiten, Schulmail des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, 30.09.2020, abgerufen am 14.10.2020, 18:00 Uhr

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin(DGKJ) im Austausch mit den Konventgesellschaften und mit Unterstützung des Berufsverbands der Kinder-und Jugendärzte(BVKJ). Welche Grunderkrankungen legen Einschränkungen in der Teilnahme am Schulunterricht aufgrund der Corona-Pandemienahe? 2020.

Voß S., A. Gritzki, K. Bux: Infektionsschutzgerechtes Lüften – Hinweise und Maßnahmen in Zeiten der SARS-CoV-2-Epidemie. 1. Auflage, 24.09.2020. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2020.

Witte, S: Lehrerverband nennt Lüftungskonzept der Bildungsminister „erbärmlich“, Neue Osnabrücker Zeitung Online, 14.10.2020, abgerufen am 14.10.2020, 17:30 Uhr

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Kevin Ruser

Kevin ist ein junger Lehrer für Geographie und Deutsch an Gymnasien und verwendet digitale Medien sehr gern in seinem Unterricht. Seine Examensarbeit schrieb er über sprachbildenden Fachunterricht.

Schreiben

Kevin schreibt seit August 2012 auf seinem eigenen Blog und veröffentlicht wöchentlich neue Artikel zu unterschiedlichen Themen. Seine Bachelorarbeit schrieb Kevin über den Einsatz des Smartphones im Geographieunterricht, seine Masterarbeit über Sprachbildung im Geographieunterricht.

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Der Autor hat die Fächer Geographie und Deutsch für Gymnasien studiert und arbeitet als Vertretungslehrer an einer weiterführenden Schule. Zudem ist er als Nachhilfelehrer in der Online-Nachhilfe tätig.

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Manuel Fuß

Manuel ist studierter Online-Redakteur und leitet eine Online-Agentur. Inzwischen gibt Manuel sein Wissen über die digitale Welt als Dozent für Medienkompetenz weiter.

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Manuel schreibt seit September 2012 auf seinem eigenen Blog zu unterschiedlichen Themen. Seine Bachelorarbeit schrieb Manuel über Kennzahlen für die Erfolgs- und Reichweitenmessung im Web. Für Unternehmen aus verschiedenen Branchen verfasst er Presse- und Web-Texte. Außerdem ist er Redakteur für die Branchenportale marktforschung.de und CONSULTING.de.

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Der Autor ist studierter Online-Redakteur und studierte darüber hinaus mehrere Semester Mehrsprachige Kommunikation. Während des Studiums war er als Tutor in den Fächern Redigieren und Journalistische Darstellungsformen tätig. Seine Agentur unterstützt Personen und Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Online-Präsenzen. Zudem ist er als Dozent für Medienkompetenz in der Erwachsenenbildung tätig.

Manuel Fuß