Funktioniert Lernen auf Distanz?

Ein Jahr neigt sich dem Ende zu, doch in der Corona-Pandemie ist noch längst kein Ende in Sicht. Und obwohl die Infektionszahlen und die coronabedingten Todesfälle inzwischen um ein Vielfaches höher sind als noch im Frühjahr, scheuten sich viele Minister lange, die Schulen erneut zu schließen. Doch anstatt eine geplante Schulschließung mit Distanzlernen in die Wege zu leiten, scheint nun ein neuer Lockdown bevorzustehen. Lehrkräfte müssen nun wieder innerhalb von Tagen ihren Unterricht auf die Distanz ausrichten.

»Niemand verlängert Ferien gerne. Aber ohne bekommen wir Kontaktzahlen leider nicht ausreichend gesenkt. Kultusminister beklagen notwendigen frühen Ferienbeginn. Ganz ehrlich: nach all den Monaten ist hochwertiges Homeschooling noch immer unmöglich?«
Karl Lauterbach (SPD)
Bundestagsabgeordneter, Gesundheitsökonom

Kultusminister wollten Regelbetrieb an Schulen "um jeden Preis"

Im Sommer starteten alle Schulen zurück in den „Regelbetrieb“ – einige seither durchgängig unter strengen Hygieneregeln wie einer Maskenpflicht. Einige Wochen später veränderte sich das Infektionsgeschehen wieder: Die zweite Welle, die schon im Frühjahr angekündigt wurde, trifft uns härter als erwartet und hat uns auch jetzt noch im Griff. Der „Lockdown Light“, der Anfang November in Kraft getreten ist, konnte das exponentielle Wachstum der Infektionszahlen zwar zwischenzeitlich unterbrechen, seitdem stagnieren die Infektionszahlen jedoch auf einem gleichbleibend hohen Niveau. 

Das seit den Sommerferien eindeutig veränderte Infektionsgeschehen war für die Kultusminister und Ministerpräsidenten jedoch noch nicht Grund genug, weitere Maßnahmen für die Schulen zu beschließen. Während das Robert-Koch-Institut bereits seit Monaten die Teilung der Klassen ab einer Inzidenz von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche empfiehlt, setzten erst Ende November erste Bundesländer weitere Maßnahmen an Schulen um – ab einer Inzidenz von 200-300 Fällen.

Quelle: Präventionsmaßnahmen in Schulen während der COVID-19-Pandemie Empfehlungen des Robert Koch-Instituts für Schulen 12.10.2020

Schulen seien nicht Treiber der Pandemie

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz am 28. Oktober 2020 mahnt, dass 75% der Infektionen mit dem Coronavirus nicht mehr nachvollziehbar seien, betonen Bildungsminister wiederholt, dass Schulen nicht Treiber der Pandemie seien.

Bereits einen Tag zuvor veröffentlichte die Kultusministerkonferenz auf ihrer Website eine Meldung zum Beschluss der 11. Videoschalte der Kultusminister zur Corona-Pandemie. Dort heißt es:

»Laut Robert Koch-Institut (RKI) und der Situation vor Ort zeichnet sich ab, dass Kinder und jüngere Jugendliche seltener betroffen und nicht Treiber der Pandemie sind.«
Kultusministerkonferenz
KMK: Schulen müssen offen bleiben / Gesundheits- und Infektionsschutz hat oberste Priorität

Das Robert-Koch-Institut bestätigt zwar, dass in den meisten Studien bei Kindern und Jugendlichen seltener ein aktives Infektionsgeschehen nachgewiesen werden konnte, sagt jedoch auch: „Die Ansteckungsrate durch Kinder war in einer Studie ähnlich hoch wie bei erwachsenen Primärfällen“. Grundsätzlich seien Schülerinnen und Schüler “ prinzipiell empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2 und können andere infizieren“, schreibt das Robert-Koch-Institut bereits im Schreiben vom 12. Oktober 2020.

Bis zuletzt klammerten sich die Kultusminister an diese Aussage. Schulen zu schließen, würde insbesondere das Sozialleben der Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen. Das Lernen in einer gleichaltrigen Umgebung und die sozialen Kontakte seien besonders wertvoll – auch in einer Zeit, in der zum Verzicht von Sozialkontakten aufgerufen wird. Schwerer wiegt der Grund der Bildungsungerechtigkeit. Nicht alle Haushalte hätten die Möglichkeit, Geräte zum digitalen Lernen auf Distanz bereitzustellen – insbesondere, wenn mehrere Kinder im Haushalt gleichzeitig beschult werden sollen.

Möglichkeiten des Distanzlernens

Inzwischen gibt es an immer mehr Schulen Infektionen. Lehrkräfte und Klassen werden in Quarantäne geschickt und von heute auf morgen muss der Unterricht neu geplant werden. Lehrkräfte, die in Quarantäne zuhause sind, können die Klassen, die noch in der Schule verbleiben nicht beaufsichtigen. Unterrichtsausfälle oder Vertretungsstunden sind die Folge, während Klassen, die zuhause bleiben, digital beschult werden sollen. Das für alle Klassen umzusetzen, wäre dabei deutlich effizienter und einfacher, als in einer ständigen Ungewissheit den Unterricht zu planen.

Möglichkeiten für das Homeschooling gibt es und die Schulschließungen im Frühjahr waren Grund genug, sich mit digitalen Unterrichtsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Im Klärerzimmer haben wir bereits einige Möglichkeiten gesammelt und wollen mit Blick auf den bevorstehenden Lockdown weitere Maßnahmen hinzufügen, um Lernen auf Distanz zu ermöglichen.

Padlets als digitale Pinnwand

Das Padlet lässt sich wunderbar für ungewisse Tage planen. Die Phrasierung des Unterrichts lässt sich eins-zu-eins in ein Padlet übernehmen, sodass dieses sowohl im Präsenzunterricht aber auch eigenständig von Schülerinnen und Schülern zuhause bearbeitet werden kann. Besonders empfehlenswert sind dafür Layouts wie „Regal“ oder „Timeline“, mit denen die Lernenden Schritt für Schritt durch den Unterricht geführt werden können. Eine detaillierte Anleitung zum Erstellen eines Padlets und das Einbinden interaktiver Übungen haben wir hier zusammengestellt:

Arbeiten mit Padlet und Co - Tools für digitalen Unterricht

Kollaboratives Arbeiten auf Distanz

Auch kollaboratives Arbeiten lässt sich im Distanzunterricht umsetzen. Schülerinnen und Schüler können beispielsweise gemeinsam an Mindmaps arbeiten, Texte schreiben oder eine Präsentation erarbeiten.

Kollaboratives Online-Lernen

Dieser Beitrag stellt Möglichkeiten des kollaborativen Online-Lernens vor.